Legenden zur Winkekatze – Der Gotoku-ji Tempel

Um die Entstehung der Winkekatze ranken sich Mythen und Legenden. Die bekannteste dieser Legenden handelt von der Katze des verarmeten Tempels Gotoku-ji in Japan, die einen reichen Lord bei einem Unwetter in den Tempel winkt und ihn so vor einem Blitzschlag rettet.

Markus Thierbach, der den Blog “Besonders Alltag” betreibt betrieb, hat in der Japanologin Sabine Binder eine Quelle gefunden, die die Tempelgeschichte um ein paar weitere Details anreichert. In seinem Artikel “Eingewanderter, endlos winkender Glücksspender” über Herkunft, Bedeutung und Aberglaube zu Katzen und Winkekatzen zitiert er Binder wie folgt:

Die im Folgenden […] dargestellte Legende über den Ursprung der Verehrung der Katze als Glücksbringer rankt sich um den Gotokuji in Setagaya in Edeo; der Vorsteher dieses verarmten Tempels hielt eine (weiße) Katze, Evtl. Fürst Li Naotakadie er in seiner Not eines Tages um Vergeltung für all das bat, das er bereits für sie getan hatte. Die Katze setzte sich daraufhin vor das Tempeltor, und zog mit der Geste ihrer erhobenen Pfote die Aufmerksamkeit einer vorbeireitenden Gruppe Samurai auf sich.

Der Fürst von Hikone, Li Naotaka, und seine Gefolgsleute, die sich auf dem Rückweg von der Falkenjagd befanden, folgten der Katze in den Tempel […]. Der Fürst ist von dieser schicksalhaften Begegnung so berührt, dass der Gotokuji schließlich zum Familientempel der fürstlichen Familie wird, in dem sogar die Katze nach ihrem Tod begraben und verehrt wird. Auch hier seien als Maneki Neko bezeichnete Figuren mit Erfolg verkauft worden.

Interessant ist die Verwendung des Wortes “Vergeltung”, daß heute üblicherweise als Strafe mit dem Charakter der Sühne und Rache verstanden wird. Binder setzt das Wort hingegen in seiner ursprünglichen Bedeutung als eine Gegenleistung oder Belohnung (Entgelt) für erwiesene Dienste ein (vgl. bspw. Vergelt’s Gott).

Winkt die Winkekatze?

Auf der Suche nach dem Ursprung der Winkekatze sind Quellen zu finden, die die Entstehungsgeschichte der Lucky Cats weniger auf Legenden sondern vielmehr auf ein altes chinesisches Sprichwort zurückführen: “Wäscht sich eine Katze das Gesicht, so wird es regnen.” Putzende KatzeDer Zusammenhang zwischen Sprichwort und Winkekatze ergibt sich aus dem emporgestreckten Arm, der ein wenig an eine Katze erinnert, die sich mit den Vorderläufen den Kopf putzt.

Interessant ist, daß es sich um ein chinesisches Sprichtwort handelt, während die Winkekatze an sich in Japan entstanden sein soll. Im englischen Wikipedia-Artikel zur Maneki Neko (jap. für “winkende Katze”) finden wir passenderweise noch die Erwähnung eines japanischen Glaubens, der besagt, daß eine Katze die sich das Gesicht wäscht, einen nahenden Besucher ankündigt. Damit würde in der Tat der Kreis zur Winkekatze geschlossen, deren Arm gemäß der gängigen Interpretation Kundschaft herbeiwinken soll.

Ursprung und Legenden der Winkekatze

Wo kommt die Winkekatze her? Der englische Wikipedia-Eintrag zur Lucky Cat bringt es sofort auf den Punkt: Die Winkekatze findet ihren Ursprung in Japan, wo sie Maneki Neko (招き猫, wörtlich “(herbei)winkende Katze”) genannt wird. Allerdings kann die Entstehung der Winkekatze nicht eindeutig datiert werden. Die ersten Dokumente, in denen die Winkekatze Erwähnung findet, stammen aus den 1870er Jahren. Einer Anzeige vom Beginn des 19. Jahrhunderts wird der Beginn der Vermarktung von Winkekatzen zugeschrieben. Wir können davon ausgehen, daß die Winkekatzen seit etwa 100 Jahren populär sind.

Und so, wie sich der historische Ursprung nur ungefähr bestimmen lässt, gibt es folgerichtig auch Unschärfen bzgl. der Entstehungsgeschichte. Verschiedene Legenden ranken sich um den Ursprung der Winkekatze und keiner weiß, ob eine oder vielleicht sogar alle wahr sind. Denn Erfindungen, und nichts anderes als eine menschliche Erfindung ist die Winkekatze, entstehen selten nur zu einem Zeitpunkt und nur an einem Ort. Die Legenden in aller Kürze:

  • Tempel: Reicher Lord sucht während Unwetter Schutz unter einem Baum. Baum steht nahe des ärmlichen Gotoku-ji Tempels. Katze des Tempelpriesters winkt Lord zum Tempel. Lord folgt der Katze. Einen Moment später schlägt Blitz in Baum ein. Lucky Lord freundet sich mit Tempelpriester an. Tempel wird reich und glücklich. Katze stirbt und zu ihren Ehren wird eine Maneki Neko geschaffen.
  • Kurtisane: Die Kurtisane Usugumo lebt mit ihrer geliebten Katze in Yoshiwara, östliches Tokio. Eines Nachts beginnt Katze ohne Unterlaß am Kimono der Kurtisanen zu ziehen. Katze hört nicht auf. Bordellbesitzer hält Katze für verflucht und schlägt ihr den Kopf ab. Kopf fliegt an die Decke und erschlägt eine dort lauernde Schlange. Usugumo ist unglücklich. Ein Freier schenkt ihr ein hölzernes Abbild ihrer Katze, um sie aufzuheitern. Dieses Abbild wurde als Maneki Neko bekannt.
  • Alte Frau: Eine alte, sehr arme Frau aus Imado muß ihre Katze verkaufen. Kurz danach erscheint ihr die Katze im Traum. Katze sagt, daß sie Katzen aus Ton herstellen soll. Die alte Frau legt los und verkauft die erste Winkekatze aus Ton. Es folgen weitere. Die Frau wird fortan mit Maneki Nekos reich und glücklich.

Übrigens: Der Gotoku-ji ist heute der grösste Tempel in der Umgebung des Gotoku-ji-Bahnhofs. Er hat mehrere Nebengebäude und eine eigene dreistöckige Pagode. Wie an jedem Tempel können Besucher eine Ema (絵馬), das sind kleine, hölzerne Täfelchen auf die man seine Wünsche an die Geister und Götter schreiben kann, hinterlassen. Passend zur ersten Legende befindet sich eine Winkekatze auf der Rückseite.