Sci-Fi Kurzgeschichte „Maneki Neko“

25.04.2014 von LuckyCat

Sterling Winkekatze Der US-amerikanische Schriftsteller Bruce Sterling hat sich in seiner Kurzgeschichte die Winkekatze als glückbringendes Leitmotiv ausgesucht.

Sterling gilt als Mitbegründer des Cyberpunk, jener düsteren Stilrichtung des Science-Fiction-Genres, in dem große Konzerne statt Regierungen die Staaten beherrschen, in der Mensch und Maschine mehr und mehr miteinander verbunden sind. In den Neunzigerjahren schuf der Hugo-Award-Gewinner die Kurzgeschichtensammlung „A Good Old-Fashioned Future“. Die erste Geschichte betitelt der Schriftsteller vielsagend mit „Manaki Neko“, dem japanischen Begriff für Winkekatze! Sie ist komplett in englischer Sprache beim lightspeedmagazine nachzulesen.

Er beschreibt eine Zukunftsversion Tokyos, in der das sogenannte „Netzwerk“, eine vermutlich von Computerprogrammen geführte omnipräsente und geheime Organisation, das Leben der Menschen gravierend durch eine Art Schenkökonomie bestimmt. Jedes Mitglied trägt permanent das „Pokkecon“ mit sich herum: ein weiterentwickeltes Smartphone, das sogar Simultandolmetschen erlaubt. Dieser portable Computer meldet sich von Zeit zu Zeit beim Benutzer mit leichten Aufgaben wie dem Transport und der Weitergabe von kleinen Gegenständen. Solange man die Aufträge erfüllt, bleibt man selbst Teil des Systems, der „Kultur des Schenkens“ und erhält ebenfalls Gegenleistungen wie Essenspakete oder den Tipp für eine preiswerte Wohnung. Zur Wiedererkennung benutzen die Mitglieder – was könnte sich auch besser eignen? – speziell einstudierte Handgesten der Winkekatze, dem Symbol für Glück und Geschenk.

Der Protagonist Tsuyoshi Shimizu, der seine schwangere Ehefrau durchs „Netzwerk“ gefunden hat, erhält in „Maneki Neko“ den scheinbar simplen Auftrag, eine Keramik Winkekatze zu überbringen. Doch die Empfängerin entpuppt sich als Cyber-Polizistin, die ihn (als Teil des Netzwerks) bezichtigt, ein Gangster und Steuerbetrüger zu sein durch seine Beteiligung am florierenden, jedoch illegalen System der Geschenk-Transaktionen, das jegliche staatliche Reglementierungen umgeht. Selbst in Handschellen vertraut Tsuyoshi noch auf das Netzwerk: „Womöglich ist meine Wirtschaft besser als ihre Wirtschaft. Weil wir einfach glücklicher sind.“ Was könnte daran falsch sein?

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